15. September 2010 | 22:57 | Geschrieben von Kirsten

Süße Ferkel, eine Erweiterung des Schweinegeheges & machmal ein schwerer Weg!

Unsere Zuchtsau Joulante hat vor zwei Wochen erneut geferkelt. Wenn es auch diesmal nicht viele Ferkel waren, so sind sie alle wohlauf und erfreuen sich an dem großen Angebot der Milchbar. Bei unserer nächsten Bentheimer-Sau rechnen wir auch in den nächsten Tagen mit Nachwuchs. Unsere Rotbunte-Husumer Sau haben wir gerade heute wieder zum Eber gefahren.

Unsere Schweinezucht ist daher richtig gut im Gange. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, unsere Schweinegehege zu erweitern. Aber zugleich steht auch fest, dass der ganze Nachwuchs hier nicht die nächsten 15 Jahre verbringen wird. Denn auch wenn wir alle diesen Punkt gerne ausblenden, Schweine ganz tolle und auch sehr liebenswerte Tiere sind, und besonders Ferkel super süß sind, so sind es Nutztiere. Und jeder der jetzt denkt: „Oh nein, wie furchtbar, wie gemein“ sollte sich morgen früh einmal klarmachen, wenn er ohne drüber nachzudenken, die Packung mit der leckeren Pfefferrand-Salami aus dem Kühlschrank holt, dass dieses Lebens- und Nahrungsmittel nicht am Baum gewachsen ist…

Mein Verhältnis zu dem Lebensmittel Fleisch hat sich mit meiner eigenen Tierzucht stark verändert. Es ist auf vielen Ebenen wertvoller für mich geworden. Ich bin dabei, wenn die Tiere auf die Welt kommen, ich sehe sie jeden Tag aufwachsen. Ich erfreue mich daran, dass sie als Jungtiere in ihren Außengehegen mit ihren Artgenossen spielen und toben. Sehe, dass sie in der Sonne liegen, dass sie nach Herzenslust den Boden durchwühlen und dass sie bei Regen gerne einfach auch den ganzen Tag in ihrem Unterstand bleiben. Aber ich bin zugleich auch diejenige, die irgendwann darüber entscheidet, wenn sie ihrer Bestimmung als Nutztier zugeführt werden.

Eine solche Entscheidung ist nie einfach, aber gerade und insbesondere, wenn man sich zum Ziel gesetzt hat, alte, vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen zu züchten, ist es ein ganz wichtiger Punkt. Denn die alten Tierrassen sind nur vom Aussterben bedroht, weil sie in der heutigen, modernen Tierproduktion keine Rolle mehr spielen. Das offizielle Motto lautet daher bei der Erhaltungszucht: „Erhalten durch Aufessen“

Bei allen Schwierigkeiten, die so eine Erhaltungszucht mit sich bringt kann ich es vor mir selbst sehr gut verantworten. Denn meinen Schweinen versuche ich so ziemlich alles zu ermöglichen, was meiner Meinung nach zu einem richtig würdevollen Schweine-Leben dazu gehört. Und auch zu guter Letzt werden sie, nachdem sie ihr Leben in einem Auslaufgehege verbracht haben nicht quer durch die ganze Republik gefahren. Denn das bin ich meinen Schweinen schuldig. Ich verlade sie daher selbst mit und fahre sie die paar Kilometer in die Dorfschlachterei. Dieser Weg fällt einem keineswegs leicht und macht einen selbst auch einen Teil der Lebensmittelproduktion deutlich, den wir in unserer modernen und arbeitsteiligen Geselschaft gerne ausblenden und anderen überlassen.

Wir haben uns auf unserem Hof ganz bewußt für diesen Weg entschieden. Als annerkannte Nutztierarche möchten wir hier gerne in vielen Bereichen Erhaltungszucht der alten Rassen betreiben.